Warum ein Junggesellinnenabschied mehr sein darf als eine Partynacht
- Christiane Pitter

- vor 3 Tagen
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Ich glaube nicht, dass Frauen einen klassischen Junggesellinnenabschied ablehnen, weil sie keinen Spaß haben möchten. Die meisten wünschen sich genau das.
Gemeinsam lachen. Gutes Essen. Schöne Drinks. Fotos, die man sich Jahre später noch gerne anschaut.
Das Problem ist nicht die Party. Das Problem ist, dass sie für viele von uns nicht ausreicht.
Denn wenn wir ehrlich sind, steht an diesem Abend viel mehr auf dem Spiel als ein neuer Familienname.
Eine Hochzeit verändert nicht nur eine Beziehung. Sie verändert ein ganzes Geflecht von Beziehungen.
Freundschaften verändern sich. Rollen verändern sich. Prioritäten verändern sich. Aus einer Freundin wird eine Ehefrau. Vielleicht bald eine Mutter. Aus spontanen Treffen werden Termine Wochen im Voraus. Nicht, weil etwas schlechter wird, sondern weil das Leben weitergeht.
Und trotzdem sprechen wir kaum darüber.
Mich beschäftigt schon lange, warum wir den Abend vor einer der größten Veränderungen unseres Lebens oft damit verbringen, so zu tun, als würde sich nichts verändern.
Wir trinken. Wir spielen. Wir ziehen durch Bars. Wir lachen viel.
Und am nächsten Morgen gehen alle wieder nach Hause.
Dabei glaube ich, dass genau dieser Abend eine Einladung sein könnte, für einen Moment stehen zu bleiben.
Nicht, um traurig zu sein, sondern um bewusst Abschied zu nehmen.
Von einer Lebensphase und von einer Version unserer Freundschaft.
Und …gleichzeitig etwas Neues willkommen zu heißen.
Ich glaube, jede Frau trägt an diesem Abend Fragen in sich.
Auch wenn sie selten ausgesprochen werden.
Braut:
Bin ich dieser neuen Rolle wirklich gewachsen?
Wird zwischen uns alles anders werden?
Werde ich mich selbst verlieren oder noch mehr finden?
Freundinnen:
Welche Rolle werde ich künftig in ihrem Leben spielen?
Wie schaffen wir es, uns nicht aus den Augen zu verlieren?
Was wünsche ich ihr wirklich für ihre Ehe?
Was wünsche ich mir für unsere Freundschaft?
Ich glaube diese Fragen sind kostbar und genau deshalb verdienen sie einen Platz.
Ein zeremonieller Junggesellinnenabschied bedeutet für mich nicht, auf Leichtigkeit zu verzichten.
Ganz im Gegenteil.
Ich wünsche mir einen Abend, an dem laut gelacht wird. An dem gemeinsam gegessen wird.
An dem schöne Cocktails getrunken werden. An dem Geschichten erzählt werden, über die Jahre später noch gelacht wird.
Aber ich wünsche mir auch einen Abend, an dem zwischen all dem etwas anderes passieren darf.
Dass Frauen sich Dinge sagen, für die im Alltag kaum Raum ist.
Dass sie Erinnerungen teilen. Briefe schreiben. Sich gegenseitig bezeugen, welche Spuren sie im Leben der anderen hinterlassen haben. Dass die Braut nicht einfach gefeiert wird, sondern wirklich gesehen.
Für mich ist ein Junggesellinnenabschied deshalb kein Abschied von der Freiheit, sondern ein bewusst gestalteter Übergang.
Nicht nur für die Braut. Für alle.
Denn auch Freundschaften überschreiten an diesem Abend eine Schwelle.
Und ich wünsche mir, dass Frauen sie gemeinsam überschreiten.
Nicht mit der Angst, sich zu verlieren, sondern mit dem Vertrauen, dass ihre Verbindung mit ihnen wachsen darf.
Vielleicht ist das der eigentliche Sinn eines Junggesellinnenabschieds.
Nicht noch einmal alles mitzunehmen, bevor ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Vielmehr geht es für uns darum einen Abend zu erschaffen, der die Freundschaft stark genug macht, um diesen neuen Lebensabschnitt gemeinsam zu tragen.
Denn Jahre später erinnern wir uns selten an den besten Cocktail.
Wir erinnern uns an den Moment, in dem wir gespürt haben:
Wir gehen diesen nächsten Schritt nicht alleine.

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