top of page

Was ist eigentlich ein Frauenkreis?

Wenn Menschen mich fragen, was im SANCTUM stattfindet, antworte ich meistens: Frauenkreise.


Nicht, weil dieses Wort meine Arbeit perfekt beschreibt. Sondern weil es das Wort ist, nach dem Menschen suchen.


Ehrlich gesagt fühlt es sich für mich manchmal etwas zu klein an.


Denn inzwischen kann ein Frauenkreis alles Mögliche sein. Ein gemütlicher Abend unter Frauen. Ein Ort für Austausch. Ein spirituelles Ritual. Eine Kakaozeremonie. Ein Workshop. Ein gemeinsames Meditieren.

Und all das hat seine Berechtigung.


Mich beschäftigt allerdings eine andere Frage:

Was macht einen Raum zu einem Ort, der einen Menschen tatsächlich verändert?

Ich glaube, nicht jeder Frauenkreis muss das leisten. Aber genau nach solchen Räumen sehnen sich viele Frauen, oft ohne es in Worte fassen zu können.

Sie sagen, sie möchten sich austauschen. Sie wünschen sich Verbindung. Sie wollen “mal raus”. Oder einfach andere Frauen kennenlernen.

Ich glaube, hinter all diesen Wünschen steckt oft etwas Tieferes.

Die Sehnsucht, irgendwo mit dem ganzen eigenen Leben auftauchen zu dürfen.

Nicht nur mit den Teilen, die gerade gut funktionieren.


In den letzten Jahren habe ich viele Räume erlebt.

Als Teilnehmerin. Als Auszubildende. Als Raumhalterin.

Dabei ist mir etwas aufgefallen. Viele Räume fühlen sich unglaublich sicher an.

Aber sie verändern wenig.


Man verbringt einen schönen Abend. Fühlt sich gesehen. Fährt berührt nach Hause.

Und eine Woche später ist das Leben wieder genauso wie vorher.


Ich glaube nicht, dass das daran liegt, dass diese Räume schlecht sind.

Ich glaube nur, dass Verbindung allein noch keine Entwicklung ist.


Entwicklung braucht manchmal etwas, das wir viel lieber vermeiden würden.

Reibung.

Eine ehrliche Frage.

Eine Begegnung, die etwas sichtbar macht.

Den Moment, in dem wir merken, dass wir gerade wieder dieselbe Geschichte erzählen wie seit Jahren.

Nicht, um beschämt zu werden.

Sondern um endlich eine Wahl zu haben.


Deshalb denke ich heute nicht mehr zuerst über Methoden nach.

Nicht darüber, ob wir meditieren.

Oder atmen. Oder schreiben. Oder ein Ritual abhalten.

Mich interessiert zuerst eine andere Frage:

Was soll eine Frau mit nach Hause nehmen, das gestern noch nicht möglich war?


Vielleicht eine Grenze, die sie endlich aussprechen kann.

Vielleicht einen Schmerz, den sie nicht länger verstecken muss.

Vielleicht den Mut, eine Entscheidung zu treffen.

Vielleicht die Erfahrung, dass sie mit etwas nicht alleine ist.


Alles andere entsteht erst daraus.


Ich glaube, Entwicklung passiert selten allein.

Wir brauchen Menschen, die bleiben, wenn etwas unbequem wird.

Die nicht sofort trösten. Nicht sofort Lösungen anbieten. Nicht sofort erzählen, dass sie das auch kennen.

Sondern die bereit sind, wirklich hinzusehen.


Deshalb sind Begegnungen im SANCTUM fast nie zufällig.

Viele Übungen führen Frauen bewusst miteinander in Kontakt.

Nicht, weil Austausch das Ziel wäre. Sondern weil wir uns oft erst im Blick eines anderen Menschen erkennen.


Auch der Raum selbst spielt dabei eine größere Rolle, als wir häufig glauben.

Ich glaube nicht, dass Entwicklung überall gleich stattfindet.

Ein Raum erzählt uns immer, wie wir uns verhalten dürfen.

Ob wir leise werden. Ob wir uns zeigen. Ob wir uns beeilen. Ob wir bleiben.

Deshalb gestalte ich Räume sehr bewusst.

Mit Licht. Mit Musik. Mit Materialien. Mit Essen. Mit Ritualen.

Nicht, nur weil das schön aussieht, sondern weil unser Nervensystem ständig entscheidet, ob es sicher genug ist, ehrlich zu werden.


Vielleicht ist das der Grund, warum sich das Wort Frauenkreis für mich manchmal nicht ganz passend anfühlt. Ich denke bei diesen Abenden weniger an einen Kreis.

Ich denke an eine Schwelle.

An einen Ort, an dem etwas endet und etwas Neues beginnen darf.

Nicht spektakulär.

Nicht perfekt.

Aber spürbar.

Wenn Frauen das SANCTUM verlassen, wünsche ich mir nicht, dass sie einen schönen Abend hatten.

Ich wünsche mir, dass sie sich selbst ein kleines Stück näher gekommen sind.

Und dass diese Begegnung nicht an der Tür endet, sondern ihr Leben noch Wochen später leise verändert.

Kommentare


bottom of page